Hans von der Forst

Von diesem Leben könnte man ein Buch schreiben.
Hans, dann tu es doch!

Hans von der Forst ist seit 40 Jahren mit Rock, Pop und Beat unterwegs. „Papa ROR“ ist ein lebendes Lexikon der Musikszene seit den 60-ern. Jetzt will er seine Erinnerungen niederschreiben.

„Das müsste mal einer aufschreiben“, sagt man so gerne am Stammtisch, wenn sich ein fröhlicher Mitzecher als spannender Erzähler und beredter Zeitzeuge erweist. Wenn er aus seinem Leben und über eine gemeinsam erlebte Zeit so berichten kann, dass der Zuhörerkreis gebannt an seinen Lippen hängt. Ja, man müsste das aufschreiben. Hans von der Forst, geborener Lissek, hat sich nun durchgerungen: Er tut es, er schreibt ein Buch. Nicht irgendeines, sondern eine sehr persönliche Rechenschaftslegung über Musik und Menschen im Ruhrgebiet, über ihm anvertraute Geschöpfe, über die Gnade, kulturschaffend tätig sein zu können.

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Die German Blue Flames vor über 40 Jahren. Hans von der Forst,
damals Hans Lissek, bedient die Trommel.

DORSTEN

Diesen Hans von der Forst, den Gründer und Macher des Rockorchesters RuhrgeBeat, kennt wohl nur ein Mensch auf diesem Globus in allen seinen Facetten – seine Frau Johanna, sein guter Geist und seine Muse. Alle anderen, die von der Forst zu kennen glauben, wissen jeder für sich nur Details aus dem Leben des Dorsteners. Dass er Lehrer ist und an einer Schule für Gehörlose unterrichtete. Dass er selbst einen gehörlosen Sohn hat. Dass er Schlagzeuger der „German Blue Flames“ war, eine Combo namens „Die wilden Sechziger“ hatte, heute als Erfinder des Rockorchesters RuhrgeBeat die Strippen zieht. Dass er, wenn er nach der Geschichte von Rock, Pop und Beat im Ruhrgebiet befragt, stundenlang spannend erzählen kann. Wie gesagt: Jeder kennt ein Stückchen von Hans von der Forst – und niemand kennt den ganzen Hans Lissek, wie von der Forst mit Geburtsname heißt. All‘ das Fesselnde müsste man mal niederschreiben, und ja: Hans von der Forst hat sich das nun fest vorgenommen. Auf eine sehr persönliche Weise will er einen Menschen – seinen Sohn Christoph (42) – erreichen und eine größere Interessentengruppe ansprechen: die Zeitzeugen der Musikszene im „Pott“ seit den 60-er Jahren.

ROR

Das ist „sein Baby“ Hans hat seine Vision verwirklicht und
ein Rockorchester mit mehr als 30 Musikern auf die Bühne gebracht.

Niederlagen und Leid sind elementarer Bestandteil menschlichen Lebens. Wessen Leben ohne Bruch ist, der ist nicht von dieser Welt. Kann man die Tragik ermessen, die es für den Vater bedeuten muss, dass Hans von der Forst ein Leben lang mit und in der Musik lebt, sein Sohn aber gehörlos ist? Schließlich ist Musik nicht nur eine Aneinanderreihung von Tönen und Rhythmen, sondern vor allem eine Art des persönlichen Ausdrucks. Diese Art der Kommunikation war zwischen Hans von der Forst und seinem Sohn nur sehr begrenzt möglich. Wie also sollte der Vater seinem Nachgeborenen manche Stimmung vermitteln, die nur die Musik transportieren kann? Überhaupt: Was ist eigentlich Musik? Was sind Beats? Wie soll man das dem erklären, der nicht hört? Erkläre einem Blinden, welche Farbe die Milch hat – und schildere einem Gehörlosen, was „Barcelona“ von Queen in Dir auslöst . . .

 Hans im Bus

Wenn es mit dem ROR auf Tour geht übernimmt
der Chef persönlich die Reiseleitung !
© Foto: Gerhard Rokita

Makeup

Hans mit Maskenbildnerin bei den Kölner Lichtern 2006
© Foto: Gerd Rokita

In seinem Buch, das Hans von der Forst an seinen Sohn Christoph adressiert, will er für Christoph „seine“ 40 Jahre mit der Musik aufarbeiten und das Versäumte nachholen, nämlich den zweifachen musikalischen Werdegang erklären: Was Hans von der Forst persönlich erlebte und wie Beat und Rock in den Pott kamen. Bei dieser Gelegenheit nimmt Hans von der Forst auf eine sehr eigene, humorige Weise seinen Sohn und seine Leser mit auf eine Zeitreise durch die Musikgeschichte. Wetten, dass mancher sagen wird, er habe die Entwicklung ähnlich erlebt – oder ganz anders? Hans von der Forst arbeitet an einem Wohlfühl-Lesebuch, das angereichert werden soll mit Tönen und Bildern. Die modernen Medien sollen eingebunden werden, sodass sowohl das Leben des Hans von der Forst, die Musik als auch das Ruhrgebiet mit allen Sinnen erlebt werden können.

braunschweig

Das ROR in Braunschweig 2004….gemeinsam jede Kurve nehmen!
© Foto: Gerhard Rokita

Und dass über Hans viel zu erzählen ist, versteht sich von selbst. Immerhin hatte er der Mann mit dem Schnauzbart in den 60-ern mit seinen „German Blue Flames“ Auftritte in allen mehr oder weniger besseren Schuppen im ganzen Ruhrgebiet und war mehrfach zu Gast im legendären Radio Bremen-Beatclub mit Uschi Nerke, was man als Ritterschlag für Jahrzehnte verstehen darf. „Wir waren damals eine echte Hausnummer“, sagt Hans ebenso abgeklärt wie immer noch bewegt. Von der Forst & Co. waren seit Oktober 1965 mehrfach auf Sendung, um die Elterngeneration via Fernsehen zu schockieren. Wie es dazu kam, was man erlebte, wie man im Bäckereiauto auf Brotstiegen liegend hin und zurück kam – das würde Seiten füllen. Papperlapapp: Das wird Seiten füllen. An dieser Stelle möchte der Chronist passen, denn jetzt ist „Papa ROR“ an der Reihe. Hans von der Forst schreibt die Dinge aus 40 Jahren auf. Für Sie und für Sie, für Dich, Dich und ganz gewiss auch für Dich. Und ganz bestimmt für seinen Sohn Christoph. Wir freuen uns darauf! Hans, lass‘ den Füller fliegen! St. Aschauer-Hundt

sleeping Hans

Hans bei Studioaufnahmen in 2004.
Manchmal sind 30 Leute eben mehr als
anstrengend.© Foto: Gerhard Rokita